Ein Krater vom Theater

 

In meinem Bein klafft ein Loch.

Es ist nicht groß, doch tief

und darin ein Vulkan aus warmem Rot.

Wie es da so vor sich hin blubbert und nicht

aufhören mag einen Fluss an mir herabzubilden,

um sachlich von mir bestaunt zu werden.

Und ich sage zu meiner Mitbewohnerin

„Siehst du. Ich spüre nicht. Nicht einmal das.

Wie soll ich so etwas wie Hunger und Sättigung spüren?“

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Wie schafft man die Connection zum eigenen Körper?

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Nebenschauplatz

Meine Therapeutin sagt, als multiple innerpsychische Koflikte in mir auftraten, kam die Essstörung ins Boot und hat einen „Nebenschauplatz“ aufgemacht. Ganz schön klug von ihr. Ich versteh das. Und ich wäre ihr gern dankbar dafür, aber ich denke so weit bin ich noch nicht. Ich seh sie schon noch als Feind. Denn sie ist zur Gewohnheit geworden und inzwischen bin ich bereit die Gefühle zu fühlen, die da sind. Also gib sie frei! Gib meine Gefühle wieder frei, bitte! ….Bin ich bereit?

5 Jahre zuvor:

Ich hatte Angst mit meinem Freund zu schlafen und als die Zeit ins Land zog und ich mich immer weniger mit dem sich steigernden Druck konfrontieren wollte, war da plötzlich dieses ganze Essen. Ich zog in eine Großstadt, in der ich erstmalig das Gefühl von Unbeständigkeit empfand. Die Anonymität machte mich einsam und ich verstand, dass Menschen kommen und gehen aber niemand so wirklich bleibt und erst recht niemand so richtig zu mir vordringt. Noch mehr Verantwortung für meine Partnerschaft. Noch mehr Essen. Hallo Essstörung! Du warst so willkommen wie selten in meinem Leben. Es war die richtige Zeit und dieser „Nebenschauplatz“ hat mir vielleicht für den Moment emotional den Arsch gerettet, aber im Großen und Ganzen steh ich jetzt hier – Angst wie nie mich zu konfrontieren. Da hat sich so viel aufgestaut. So viel heruntergschluckte Scheiße, die jetzt plötzlich entsorgt werden will. Ich fühle mich wie eine Großbaustelle. Jetzt bin ich wieder allein, aber dadurch nicht einsamer. Nachdem die Last zunächst von meinen Schultern fiel, kam der Druck dann doch zurück und nun merke ich, dass ich mich konfrontieren sollte.

Der Nebenschauplatz fühlt sich an wie eine Parallelwelt, in der ich manchmal lebe. Und alles, was in dieser Welt passiert, ist ummantelt von einer dicken Schicht aus Scham. Dieses Doppelleben saugt mich aus. Ich möchte ehrlich sein. Ehrlich zu mir und auch ehrlich zu Menschen, die mir wichtig sind.

 

 

Leichte Worte Schwere Worte

„Junge, beweg deinen Arsch hier hin, sonst nehm ich dich nie wieder mit zurück.“

höre ich durch die Tiefen des Treppenhauses hallen. Und es klingt bösartig, aber auch leicht irgendwie. So leicht, dass die Worte keine Schwere in sich tragen, keine Konsequenzen ziehen. Was rauskommt, kommt heraus, verhallt und wart nie mehr gehört. So ist das bei denen, sie stellen offensiv Ansprüche und beleidigen sich, doch danach gehen sie ein Bier miteinander trinken. Es ist so leicht. Und ich sitze im Nebenzimmer, während sie ausziehen. Während ER auszieht.

Alles, was bei mir ankommt, sind schwere Worte. Manchmal sind Worte so schwer in mir, dass sie mich am Atmen hindern. Am Sprechen ohnehin. Wenn die Worte mich treffen, dann versucht der Kopf sie nicht einmal mehr abzuhalten, viel zu gewohnt ist der direkte Weg in Richtung Herzgegend. Und dann steht da ein Reh im Scheinwerferkegel. Ich soll ehrlich sein – ja – aber mir fehlen die Worte und die Luft. Es ist so verdammt stickig da, wo ich stehe. Wie soll man einen klaren Kopf bewahren, wenn das Überleben auf dem Spiel steht? Das zumindest sagt die Angst. Und die Angst bin ich, ich bin die Angst.

Je öfter man aneckt, desto mehr Wunden entstehen und irgendwann ist man rau und wund geschunden. Soll das Leben sein? I dont think so. Aber jetzt, so wies jetzt ist, bin ich ein Kreis. Alles läuft rund, die Oberfläche ist glatt geschmirgelt. Ich habe mich an euch geschmirgelt statt verletzt. Es war lange Zeit gut so, aber jetzt bin ich ein Kreis. Ein Kreis, der nach innen blutet. Ist das besser?

Ich hab kein Bock mehr ich zu sein.

„Den holst du doch eh nie!“ höre ich von unten.

Und ich bin neidisch.

Als die Musen sich küssten

 

Als die Musen sich küssten

entstand heimlich peinliche Stille danach

„Lieb doch einfach wen du willst“ hatte man gesagt und

sie hatten sich danach jeder für sich bei Nacht gefragt

wie es wohl wäre die andere zu küssen

Doch jeder der beiden dachte zu wissen wie es abzulaufen hat

Wie man küsst, das sei ja klar, beide wissen wie mans macht

Ein Geringe aus vollen, prallen Lippen und zarten, sanften Blicken

Wollten beide nur mal nippen, vom Saft der Muse ihrer Lippen

Doch als sich ihre Münder langsam voneinander lösten,

merkten sie wie ihr Glück am seidenen Speichelfaden hing

Nachdem das lustleere Geringe in einem Zungenkampf verging

und beide da hingen in der Luft

 

Sie warn Musen, nur nicht Muse für den andern

Ein Moment, wo Stille tickt und Blicke wandern

Die Quelle personifizierter Inspiration

konnte nicht küssen,

sie war nur schön.

21:44

Ich hab verlernt wie man lebt.

Das klingt pathetisch und blöd

aber ich weiß wirklich nicht mehr wie

was man so macht, wenn der Tag zuende geht

Wenn ich mit mir allein bin, dann verbringe ich die Zeit mit Destruktivität

Ich beschäftige mich die ganze Zeit mit allem, wo andere eine Triggerwarnung vor setzen würden

15 tabs offen, Videos über L-Carnitin Tabletten, über Tipps gegen Heißhunger, Videos über Essstörungen, recovery und alles, was damit zu tun hat

Hole den Einlauf raus, lese mir alte Darmsanierungsregeln durch

Ich google nach Brechreizsirup und Foren zu Themen, die seit jeher meinen Suchverlauf zieren

Schäme mich für alles

Doch das interessiert mich alles, wenn ich abends alleine bin, der Rest ist mir egal, viel zu egal

Ich werde sauer auf mich sein, wenn ich sterbe und nicht mal den Ehrgeiz hatte mein Umfeld über mein Äußeres auf meine Hilflosigkeit aufmerksam zu machen

Ich lebe in einer Bubble.

Und man könnte sagen: „Alter, warum machst du das dann? Umgebe dich mit schönen Dingen, schau andere Videos, beschäftige dich mit Dingen, die dir Spaß machen, informier dich mal über das Weltgeschehen…. Kein Wunder, dass du an nichts anderes denkst, wo du dich ständig mit dem Thema umgibst.“

Aber ich hab verlernt wies anders geht. Es gibt wirklich nicht viele Momente, wo ich gar nicht an all das denke. Wenn ich versuche die Nachrichten zu verfolgen, lande ich immer wieder bei …. mir. Diese Selbstbezogenheit ist widerlich. Doch das ist es, was ich kann, wie automatisiert – mich selbst runterziehen. Irgendwas daran reizt mich. Wenn ich mir dunkle Gedanken mache, dann habe ich ein Ziel und das gibt mir dann einen gewissen Sinn. Dann ist das Ziel mich kaputt zu machen. Natürlich ist das ein denkbar fragwürdiger Sinn! Skills jedenfalls funktionieren nicht. Die Dinge, die mir Spaß machen könnten, fühlen sich nicht lebenswert an. Also schau ich mir lieber an, wie andere mit all dem umgehen. Es ist bullshit, ich weiß das.

Aber  wenn ich alles Destruktive streiche, so steh ich da und mir wird so schwer ums Herz, dass ich kurz fast anfange zu weinen um mir dann wie aus Reflex schnell zu überlegen womit ich mir diesen Abend anderweitig versüßen könnte, wie ich diese Langeweile (Leere) wegbekommen könnte. Weil zum Weinen gibts ja keinen Grund. Da sagt man mir doch immer. „Du hast doch alles.“, Und dann denke ich, alter stimmt, warum solltest du weinen?

Und dann kommt son „Du könntest zum LIDL laufen, dir ein Eis kaufen und versuchen es auszukotzen.“ oder „Du könntest erstmal nen Schnaps trinken, oder zwei oder… wieso hast du eigentlich kein Gras daheim?“ Und dann sagt irgendwer anders so „Du hast doch noch nie Gras geraucht?“ Und ich sag „Egal.“

Mir ist alles so egal.

Hauptsache es nimmt mich raus aus der Situation, die ich nicht handlen kann und die sich Leben nennt.

Ich lebe nicht als ich, es ist gruselig, was ich mir da manchmal zurechtdenke. Dann wird sich aus Langeweile und Leeregefühl in die Haut geratscht, dann wird gegessen bis man sich fragt ob da wohl schon Frakturen in der Magenwand sind. Mein Leben ist ein Rausch. Und ich weiß nicht wovor ich Angst habe, ich kann vieles nicht aber mit Abstand am wenigsten kann ich mich wohl konfrontieren.

Ich musste mit Erschrecken feststellen, dass ich es einfach gewohnt bin mich taub zu machen. Gefühle, die da sind, mit Essen oder einem anderen Rauschmittel zu kompensieren, dass ich nicht Leben an sich verlernt habe. Sondern fühlen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Ich bin grad wieder vakuumisiert und ich habe verdammte Angst, dass das jetzt so das Leben sein soll. Ich glaube wenn ich wieder fühlen kann, kann ich auch wieder leben. Aber wenn ich so betäubt bin … dann ist die Krankheit mein Leben. Und das ist nicht gerade lebenswert.

Und ich hasse es, dass ich niemandem verständlich machen kann wie sich das anfühlt. Und selbst, wenn ich es Leuten verständlich machen kann, dann ändert das ja trotzdem nichts daran, dass ich ihr Mitgefühl nicht fühlen kann.

Ich wünschte ich wäre ein Tier, ein Empath, der sich durch sein Mitgefühl so tief in eine andere Person hineinfühlt, dass er sie ist. Wie ein Parasit. Dann wäre ich nicht mehr hier, dann wäre ich in diesem lebendigen, fühlenden Körper und dort könnte ich sicherlich ne ganze Menge fühlen. Lass mich dich mittragen. Damit ich wenigstens etwas (er)trage.

Oder anders: vielleicht brauch ich dafür keinen anderen Körper, vielleicht geht das auch mit mir selbst. Nur dann brauch ich deine Hilfe – sag mir wie leben geht! Nein, oh, nein, besser – lass es mich fühlen! Press das Gefühl in mich hinein. Ich öffne beide Lungenflügel so weit ich nur kann, wie ein Vogel, ich mache mich offen und frei und du schiebst es hinein, okay?

Das Gefühl und den… den Inhalt.

So lieg ich schon da wie ein Schneeengel, Arme und Herz weit geöffnet

Aber da kommt nichts.

 

 

 

Happiness is for those who matter

 

Ich bin in meinen Tiefen davon überzeugt es nicht wert zu sein

Deshalb stabilisiere ich mich über das Bild, das andere von mir haben

Und deshalb die Überanpassung

Weil ich nur dann von Bedeutung sein kann, wenn man mir diese zuspricht

Doch in der Anpassung verliere ich mich selbst

Ich suche stetig nach Menschen, bei denen ich diese Überanpassung lockern kann

Und ich mich selbst wieder kennenlernen kann

Doch das ist schwer, denn ich habe so lange alles in mich hineingefressen

Alles, was mein ICH war, meine Meinung und Bedürfnisse

So lange, dass ich jetzt tatsächlich alles in mich hineinfresse (Essen symbolisch gedacht)

Und ich habe Angst, dass Menschen aus meinem Leben gehen

Selbst wenn ich diese Menschen gar nicht in mein Herz geschlossen habe

Weil sich das anfühlt wie eine Bestätigung meiner tiefen Grundannahme

Dass ich es nicht wert bin

Und ich habe noch mehr Angst, dass Menschen aus meinem Leben gehen

Die ich in mein Herz geschlossen habe

Weil sie darin den größten Platz einnehmen

Der Platz, der für mich von Bedeutung ist

Weil ich nicht weiß woraus ich mich sonst schöpfe

Aus mir nicht, weil ich nicht glücklich bin

Und ich eigentlich glücklich sein will

Doch Glücklichsein verdient der, der von Bedeutung ist

Kartons

Die Summe zweier Menschen, die sich passend machten, wir dachten wir könnten uns multiplizieren,

minus mal minus ist plus, aber zum Schluss glichen wir uns aus, sahen es kam Null heraus, verdammt,

was soll das Heucheln und Warten, das Runterschlucken von nie ausgesprochenen Tatsachen und immer diese Phrasen, dein Ich liebe dich füllte die Lücke, den Raum zwischen uns, unterm Strich lieb ich dich,

und ich denke das wird auch noch so bleiben, kann nur hoffen, es wird uns nicht ganz auseinander treiben lassen, lieber bleiben lassen, lieber nein(!) ist nur die Angst davor, vor dem was kommt,

vor diesem ohne dich, vor diesem wer bin ich? innerlich, wollt ich nie wirklich fort, doch Probleme häuften sich und so ist dein Gesicht nicht mehr der richtige Empfänger für mein Wort

Ich möchte wirklich davon ausgehn, du bist gut so wie du bist und ich geb mir die Erlaubnis, Selbiges gilt auch für mich

nur die Kombi war ein Minenfeld, wir ohne Waffen, doch wie abgeholt doch nicht bestellt, ham uns gepellt füreinander und dann ganz heimlich wieder angezogen, du auf der Autobahn und ich aus Selbstschutz abgebogen,

viel zu spät die Erkenntnis dann, auch du bist auf der nächsten Ausfahrt abgefahrn, wie abgefahrn warn die Zeiten mit dir, wo wir uns sicher warn, die Großeltern auf Bildern, das sind wir, das sind mal wir, jaja

Ein gemeinsames Lebenskonzept, das den Anschein erweckt, alles wäre perfekt wie es ist

hab nichts vermisst und später alles, doch dacht es liegt an mir, naja wie alles

zerbrach in einem Moment nackter Ehrlichkeit und frag mich bin ich je wieder zum träum‘ bereit

wo dein Kram bald endlich wieder deiner ist und mein Kram sich zu fragen hat wofür er ist, Vergangenheit trägt leicht und schwer, nur erinnern wir die schönen Dinge plötzlich mehr, wie unfair,

denn war der Anfang nicht dem Ende gleich, töricht zu glauben zu wissen was man am Ende weiß, was ein Scheiß, Menschen ändern sich aber dass man selber Opfer davon wird, erkennt man nicht

Lass uns Tränen teiln, liegen uns in den Armen, wissen nicht ob wir lachen solln oder schrein, freier Fall, es ist wie freier Fall in mir

Ich kenne mich doch nur mit dir.

 

Sandburgen

Ihr, ihr andern da

Ich krieg euch nicht so recht zu greifen

Ihr flutscht mir aus den Gefühlen

Viel zu oft, wenn ich denke es ist sicher mit uns

Ich höre was ihr sagt, aber es prallt am Innern ab

Und wenn was schief läuft, dann hab ich es verkackt

Ihr, ihr andern da

Habt ihr euch schonmal reden gehört?

Wieviel Abstand ist zwischen uns im Geiste während Körper nah aneinander geschmiegt?

Ihr seid Sand in meinen Gedanken, immer überall ein bisschen,

immer ein bisschen wie Urlaub und das mitten in der Stadt,

ihr seid Sand in meinen Gefühlen,

ihr zerrint zwischen den Rippen,

schneller als einem lieb wäre, zu schnell um daraus Burgen zu bauen,

was bleibt ist das unangenehme Kratzen in den Socken

Schnell unter die Dusche, schnell abspülen, was Urlaub war

Wieso seid ihr nicht greifbar?

Ihr flutscht mir aus den Gefühlen

Jedes mal, wenn ich Urlaub von mir bräuchte, zeigt ihr mir die Sandburgen, die ihr mit anderen gebaut habt

Schön, okay, bis bald dann.

Eine lange Weile

Für eine lange Weile hab ich Langeweile

denn mehr als für ne kurze Weile reicht das hier nicht aus

Ich schau mich um und hör dich sagen

so viel Zeit, mach halt was draus!

entgeistert werde ich dastehen und den Geist entfremdet ansehn

der mir da vorlebt, es sei so einfach mit freier Zeit verliebt spazieren zu gehn

als wüsste jeder Mensch, was da zu tun, wie Freizeit geht und in sich ruhn

Lässt du dich noch gehn oder lässt dus dir schon gut gehn?

klar, dann nehm ich halt die Creme und pfurz mir davon etwas auf die Haut meiner Beine, so aus reiner Langeweile, für eine kurze Weile, weil ich ja etwas tun will für mich

stellt sich raus, so kurz war die Weile nicht, denn die Beine mit der plötzlichen Hydrationssituation völlig überfordert, trinken nicht wie die fast verdursteten Beine, die sie nunmal sind, sondern wie extravagante, aus Strohhälmen sippende Aperol-Spritz Verköstiger, die sich nach einem „Köstlich!“-Ausruf  erstmal langwierig im Smalltalk verlieren

dann sitz ich also da also mit diesen nach Nussbutter stinkenden Beinen, angenervt darauf wartend, dass ich die Hose wieder anziehen kann ohne das Gefühl zu haben klebrig mit dem Textil zu verwachsen

Tolle Aktion. 20 Minuten rumgekriegt, immerhin, on top fettige, eiskalte Beine und das Gefühl n bisschen selfcare betrieben zu haben.

Und du sagst, alter, dann mach halt was auf Netflix an, da wird ne kurze Weile nämlich schnell ziemlich lang

gut ich mach was an, aber nicht aus Ablenkung, nein, nicht aus Flucht, der Grund warum ich einschalte ist einfach eine Sucht und ne Sucht ist doch ganz schick, son Laster, was mich menschlich macht ich schalt die erste Folge ein, Zeit krieg ich rum, wär doch gelacht, doch hab kein einziges Mal gelacht bei dieser Comedy vor mir, und weiß dann wieder, ach nee stimmt, die Sucht gehört ja nicht zu mir, doch warum könn das alle, zieht mich bitte wer mit rein, dann würde Zeit im Flug vergehn und ich wär nicht allein

Die anonymen Bingewatcher da draußen, haben die nur noch kurze Weilen? Wie gern würd ich den ganzen Tag verweilen, beim Schreiben dieser Zeilen, doch auch ein Text ist schnell geschrieben, guck auf die Uhr – es ist schon sieben!

Immerhin.

mehr gedacht als Zeit mit Sinnvollem verbracht, aber was ist schon sinnvoll, was ist sinnvoll, was ist schon….wo ist der Sinn?

Schon Mitternacht, was ist passiert, was? so eine scheiße

das letzte der Erinnerung ist, wie ich Brot abbeiße

Der Tag ist rum, verschluckt, die lange Weile ist passiert

im Bett endlich das reset dann, die Nacht den Tag pausiert

Und lange Weilen find ich schlimm, doch schlimmer noch sind die

die weg sind, bevor man sie spürt, als wärn sie nur geliehn

 

 

Der Rhein

Sie saßen am Rande der Stadt als man ihnen erzählte vom Rhein. Vom Rhein und dass er tötet. Verunsichert vergruben sie dabei ihre nackten Zehen im Sand vor sich, im Sand des Rheines, vor dem sie saßen. Belächelten sie doch zunächst die Geschichte, die sie für einen Mythos hielten, für ein lustiges Schauermärchen, was man sich am Lagerfeuer erzählte. Nur, dass hier kein Lagerfeuer war, nur der Strand und der Rhein und die nahende Dunkelheit am Ende eines beliebigen Sommertages in der Großstadt.

„Wisst ihr denn gar nicht woraus dieser Sand gemacht, in dem ihr eure Zehen badet?“ fragte man sie.“ Ich würde weiß Gott nicht in den Rhein steigen, wenn ihr euch eures menschlichen Lebens wert seid und nicht Teil dieses Sandes werden wollt. Zermahlen im feinsten knöchernen Mahlgrad der Zeit, auf langem Wege zerrissen und geschliffen, bis er unschuldig ans Ufer treibt, wo Unwissende ihre Füße in ihm vergraben.“

„Naja, dafür sind hier ja die Buchten, also wir, wir schwimmen ja nicht weit hinaus, guck, selbst Kinder planschen dort, die lassen ihre Kinder dort planschen!“

„Selbst Kinder….“

Die blaue Stunde ging über in ein Dunkel und die friedliche Szenerie leerte sich, fröhliche Stimmen verhallten in der Ferne. Und plötzlich waren sie ganz für sich allein und die Romantik dieser Szene verging am Gedanken an das dunkle Nass, welches inzwischen in ein tiefes Schwarz getaucht war und sachte vor sich hinschwappte. Vor und zurück zog sich die Strömung.

„Sieh, wie er atmet“.

„Das wird mir hier zu blöd, ehrlich. Wolln wir heim?“ Sie packten ihre Sachen zusammen und leuchteten den Weg zur nahegelegenen Promenade, den sie schweigend auf sich nahmen.

Plötzlich ein metallernes Knarren und dann ein Knall. Wie ein vorbeifahrendes Lastschiff, das etwas mitgerissen hatte, als sei etwas in sein Getriebe geraten und dort zertrümmert. Metall und Reibung. Der Knall verhallte und was zu hören übrig blieb, war ein leises Knarzen.

„Wie zufrieden er schnurrt.“

Als sie sich umblickten, sahen sie nichts, da war kein Schiff, nur die nahezu abstrus leergefegte Strandlandschaft und die Ruhe der Nacht, die sich über den Sand gelegt hatte. Und die arbeitenden Wellen. Vor und zurück, wie ein Getriebe.